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Heisse Diskussion um gekühlte Senioren und gegrillte Kunst

Welch eine lobenswerte Aktion des Kunstmuseums Basel, Senioren ab 65 Jahren während der Hitzewelle mit Spitzenwerten von bis zu 40 °C freien Eintritt zu gewähren, damit sie die Kühle des Museums genießen können! Die wenigen, die den Weg tatsächlich fanden, scheinen es genoßen zu haben, und man mag es ihnen gönnen. Sie hätten allerdings auch durch die sengende Innenstadthitze die 400 Schritte zum kühlen Basler Münster gehen können. Das Gebäude hat bereits ein grosses Erdbeben überstanden und steht noch immer majestätisch über dem Rhein - ohne Klimanlage.

Trotzdem hat die ganze Sache einen schalen Beigeschmack. Warum „nur” Senioren? Unter der Hitze leiden auch andere gefährdete Personengruppen: Menschen mit Beeinträchtigung, ältere Menschen, Kinder, Bewohner von Dachwohnungen, Städter, aber auch wir Durchschnittsbürger – gesund, vital und noch nicht in Rente. Da würde man sich etwas mehr Großzügigkeit wünschen – oder wäre hier das Wort Großherzigkeit angebracht? Zumindest haben nebst den Senioren auch die Mitarbeiter des Museums etwas davon.

Oder geht es gar nicht um das Wohlbefinden der Menschen? Braucht es eine Hitzewelle und Senioren, um ein fragwürdiges Klimaregime in einem Museum zu legitimieren? Alle sprechen davon, den CO₂-Fußabdruck von Museen zu reduzieren, den Energieverbrauch zu verringern und in Basel kühlt man das Haus in einem Hitzesommer gemäss Presse auf 21 °C – welch absurde Situation! Dass hohe Temperaturen den chemischen Zerfall vieler Materialien und dadurch auch der Kunst beschleunigen, ist unbestreitbar. Aber müssen es 21 °C sein? Müssen wir das ganze Jahr über das volle Programm fahren? Wo liegt da die Balance zwischen Risiko und Gefährdungsminderung? Auf wessen Kosten geht dies (im eigentlichen wie im übertragenen Sinne)? In anderen Häusern wird die Ausstellungstätigkeit der Situation angepasst und nicht umgekehrt. Die wärmeempfindliche Wachsskulptur Medardo Rossos im Kunstmuseum Winterthur war beispielsweise  jahrelang während der Sommermonate nicht ausgestellt. Man hatte sich den vorhandenen Möglichkeiten angepasst. * 

Materielle Kultur kann nicht über alles gestellt werden und sie kann auch keinen Sonderstatus oder eine extreme Sonderbehandlung für sich beanspruchen. Sie ist "nur" einer unter vielen konkurrierenden Aspekten unserer Gesellschaft. Ihr Stellenwert ist stets wieder neu auszuhandeln.

* Eine Sonderausstellung am Kunstmuseum Basel war in den sommermonaten vom März bis August 2025 eben diesem Künsler gewidmet.

Übrigens: 
Was passiert, wenn während einer derartigen Hitzewelle das System ausfällt? Das Städel in Frankfurt kam im Sommer 2012 in diese ungemütliche Lage. Das war die Information an die Besucher (siehe Bild, wobei die Frage nach der Epochenzuordnung dieses Saales offen bleibt) - dort war es wie ich mich erinnere ziemlich schwül. Hat das Städel etwa das Leben seiner alten Meister (und anderer) fahrlässig verkürzt? 

 Städel.jpg

Foto: Joachim Huber, 2012 (keine KI, selbst gesehen und erlebt)

In diesem Sinne heisst es kühlen Kopf bewahren - aber nicht um jeden Preis.